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Begegnungstage in Bad Kissingen 2011
Auch in diesem Jahr hatte der BkdA zu einem Begegnungswochenende eingeladen, dieses Mal nach Bad Kissingen, im malerischen Unterfranken – und um es gleich vorweg zu sagen: Auch die weiteste Anfahrt hat sich gelohnt!
Es waren Tage, die alles boten, vor allem natürlich Kunst, aber auch Natur und nicht zuletzt viel Zeit für persönliche Begegnungen und Gespräche.
Ab 16 Uhr konnten wir uns am Freitag, dem 15. Oktober, im Hotel Astoria einfinden.
Bad Kissingen hat wahrlich viel zu bieten: Eine Stadt, die nicht nur mitten im Grünen liegt, sondern die über einen großen und mehrere kleine Parks verfügt, eine moderne Stadt, aber auch eine Stadt, die sich ihrer Tradition als „Königliches Staatsbad“ durchaus bewusst ist.
Bereits im Jahre 801 wird Kissingen unter der Bezeichnung „chizzicha“ erstmals erwähnt. Im 13 Jh. wohnt der Minnesänger Otto von Botenlauben mit seiner Gemahlin auf der Burg bei Kissingen. Im 18.Jh. wird die bis heute genutzte Rakoczy-Heilquelle entdeckt, und im Jahre 1883 erhebt König Ludwig II. von Bayern Kissingen zum „Bad“.
Wir konnten auch erfahren, daß hier „die ganze Welt“ zu Gast gewesen ist, unter anderen Kaiser Franz-Josef und Kaiserin Elisabeth von Österreich mit einem Gefolge von 49 Personen, Zar Alexander und Zarin Maria Alexandrowna von Russland mit 88 Personen im Gefolge. Nahezu alles was Rang und Namen im europäischen Adel hatte, kam ab den 1830er Jahren in die Stadt an der Saale – und mit Sicherheit nicht nur wegen der wohltuenden Wirkung der Quellen. Aber auch Künstler, Literaten, Politiker und Musiker finden sich in den Gästelisten, unter ihnen Theodor Fontane, Leo Tolstoi, George Bernard Shaw, Gioacchino Rossini, Richard Strauss, Otto von Bismarck…
Alles in allem: Bad Kissingen hatte und hat den Reiz, etwas ganz Besonderes zu sein….
Und so fanden auch diese Tage in einer gelösten, wohltuenden Atmosphäre statt, die uns allen gut getan hat.
Am Samstag, dem 16. Oktober lauschten wir – gut gestärkt nach einem opulenten Frühstück – dem Vortrag von Herrn Dr. Guido Schlimbach zum Thema:
Christliche Kunst in der Gegenwart – Kunst fordert Glaube heraus
Herr Dr. Schlimbach ist „von Hause aus“ Theologe, war dann eine Zeit lang Journalist und ist nunmehr Nachfolger von P. Mennekes an St. Peter in Köln.
In seinem Referat ging er von der Frage aus: Was ist christliche Kunst? Eigentlich, so bemerkte er, gebe es überhaupt keine christliche Kunst in der Gegenwart. Schon immer habe sich die Kirche mit Kunst sehr schwer getan, so daß wir uns fragen müssten, was denn die Kirche motiviert habe, sich gar von der Kunst abzuwenden. Erschwerend kommt hinzu, daß die „Schildermaler“ – wohnhaft z.B. in Köln in der „Schildergasse“ – ihre „Schilder“ = Bilder nie signiert hätten. Nur Stephan Lochner konnte man später identifizieren, dies aber auch nur, weil Albrecht Dürer seinen „Kollegen“ in seinem Reisetagebuch erwähnt habe.
Papst Pius XII. habe in einer seiner Enzykliken gar von “entarteter Kunst” gesprochen und damit die zeitgenössische Kunst gemeint.
Das Zweite Vatikanische Konzil habe sich bereits ausführlicher mit Kunst beschäftigt, allerdings sei von Papst Johannes XXIII. kaum etwas in dieser Richtung überliefert. Papst Paul VI. habe die bis dahin klarste Position bezogen, als er bereits im Jahre 1964 eine Messe für Künstler gehalten und bedauert habe, daß die Kirche die Künstler so lange gegängelt habe. Von ihm wird gesagt, daß er damals die Grundlage für die Sammlung moderner Kunst im Vatikan geschaffen habe und auch, daß er seine Privaträume von französischen Künstlern habe umgestalten lassen.
Papst Johannes Paul II. habe seine Räume nach seinem Geschmack wieder anders gestalten lassen. Im Jahre 1999 habe er in einem Brief an die Künstler gebeten, den Dialog nicht abreißen zu lassen.
Papst Benedikt XVI. habe einen neuplatonischen Ansatz. Er vertrete die Bewahrung des Alten, sehe die Kunst in einer tiefen Krise – die aber die Krise des Menschen überhaupt sei. Ihm falle es schwer, Antworten zu geben, er spare offene Fragen aus. Der Referent zitierte ihn mit den Worten: „Kunst muß der Schönheit dienen“: der Schönheit Gottes in der Natur, der göttlichen Schöpfung.
Der Referent fragt: „Was lernen wir im Umgang mit der Kunst?“ – Wie gehe ich mit einem Kirchenraum um? Er bedauert, daß die Kunst des Feierns in den Priesterseminaren viel zu kurz käme.
Wir sahen Aufnahmen von Gegenwartskunst in Kirchenräumen – manches davon für uns recht schwer „verdaulich“ – wenn zum Beispiel auf einer ansonsten kalkweißen Wand in schwarzer Farbe die Worte stehen: ICH HABE ANGST. (Rosemarie Trockel, 2009) …
Nach dem Mittagessen und einer kurzen Kaffeepause sollte eigentlich ein Stadtrundgang mit Führung folgen, aber Petrus sah das ganz anders und ließ es vom Himmel schütten. Also die Alternative: Rhönrundfahrt mit Besichtigungen.
Ein kleiner Bus holte uns ab, und der Busfahrer war gleichzeitig unser Reiseführer. Zuerst ging’s durch die Stadt, wir erfuhren einiges zu ihrer recht ungewöhnlichen Geschichte, am Gradierwerk vorbei, am Salzsiedehaus… In dem kleinen Ort Hausen, so erfuhren wir, sei der spätere Kardinal Döpfner geboren worden… Nach Bad Bocklet wird ebenfalls Heilwasser aus den Quellen gebracht, aus denen die Badehäuser in Bad Kissingen versorgt werden … In der Kirche von Steinbach hängt ein Kreuz von Tilmann Riemenschneider… Die Kurven im Schmalwassertal nahm unser Busfahrer sehr behutsam: „Damit’s keinem schlecht wird“. … In Bischofsheim soll die älteste Holzschnitzerei Deutschlands sein, in der heute noch gearbeitet wird. Hier soll der Überlieferung nach Bonifatius um das Jahr 735 ein Frauenkloster gegründet haben.
Schließlich landeten wir – immer noch bei strömendem Regen und herbstlicher Kühle – auf dem Kreuzberg, mit 928m die höchste Erhebung in der fränkischen Rhön. Der Legende nach soll hier der schottische Mönch Kilian im Jahre 686 an Stelle einer heidnischen Kultstätte ein Kreuz errichtet haben, daher rührt denn auch der Name des Berges. - In kleinen Gruppen wanderten wir los, besuchten die Ausstellung zu Franz von Assisi, zündeten in der Kerzenkapelle „Betelichtlein“ für unsere Lieben an, verweilten in der Kreuzberger Klosterkirche. Sie bildet den südöstlichen Teil des Klosterkomplexes. Der franziskanischen Tradition folgend erhielt die Kirche keinen Turm, nur der Dachreiter überragt mit seiner achtseitigen Zwiebelhaube das schiefergedeckte Kirchendach.
Der Hochaltar stammt, wie die meisten Ausstattungsstücke der Kirche, aus dem 17.Jh. mit Ergänzungen aus der Rokokozeit.
Der Kreuzberg ist seit langer Zeit eine Wirkungsstätte der Franziskaner und ebenso lange ein Wallfahrtsort. Er ist der „heilige Berg der Franken“. –
Auf dem Rückweg kamen wir am Schloss Aschach vorbei, das heute eine Reihe von Museen birgt, wie das Graf-Luxburg-Museum, das Volkskundemuseum, das Schulmuseum, in dessen Schlosscafé man es sich aber auch richtig gut gehen lassen kann – natürlich bei fränkischen Spezialitäten.
Was wäre das für eine Landschaft im Sonnenschein – allein Petrus…Aber die tief hängenden Wolken an den Berghängen waren auch romantisch….
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Auch heute dehnten wir unser gemütliches Beisammensein recht lang aus – es war halt zu schön, und die liebevolle Betreuung durch das Hotelpersonal tat das Ihrige, daß wir uns rundum wohlfühlten.
Am Sonntag, dem 17. Oktober ließ Petrus zu unserer Freude nicht nur die Himmelsschleusen zu, sondern schickte uns die Sonne. So konnten wir nach dem reichhaltigen Frühstück und dem anschließenden Gottesdienst zum Kurkonzert im Kurpark aufbrechen.
Auch dieses Konzert hat bereits eine lange Tradition. Es gehört einfach zu einem Bad dazu. Das Podium des 13-köpfigen professionellen Kurorchesters ist die Konzertmuschel in der Wandelhalle, die bei schönem Wetter einfach nach außen gedreht wird – zu Beginn des 20.Jh. wohl eine Sensation.
Gemächlich bummelten wir durch den auch jetzt im Herbst hübschen Park zum Hotel zurück, wo das Mittagessen bereits auf uns wartete.
Anschließend war Abschiednehmen angesagt. Wann und wo…? So ein Begegnungswochenende ruft wirklich nach einer Wiederholung im kommenden Jahr!
Gisela Arendt, Aachen
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